Ein Mann ist genervt von einem Mädchen, das ihm ständig Fragen stellt. Doch was er lernt überwältigt ihn

h4d75t8ug2fasiwb

 

Sie war sechs Jahre alt, als ich sie das erste mal am Strand, in der Nähe wo ich wohne, traf. Ich fahre zu diesem Strand in knapp 6 Kilometern Entfernung, wenn mir Zuhause die Decke auf den Kopf fällt, oder es mir schlecht geht. Sie baute eine Sandburg oder so und sah zu mir auf, ihre Augen so blau wie das Meer.

„Hallo.“ sagte sie.

Ich antwortete mit einem Nicken, nicht wirklich in der Stimmung, mich um ein kleines Kind zu kümmern.

„Ich baue,“ sagte sie.

„Ich sehe es. Was ist es?“ sagte ich etwas gelangweilt.

„Oh, ich weiß es nicht, ich mag einfach das Gefühl von Sand.“ Das klingt gut dachte ich mir und zog meine Schuhe aus. Ein Wasserläufer flog vorbei.

„Es ist eine Freude,“ sagte das Kind.

„Es ist was?“

„Es ist eine Freude. Meine Mama sagt Wasserläufer kommen, um uns Freude zu bringen…“

Der Vogel flog den Strand hinunter. Auf Wiedersehen Freude, murmelte ich zu mir selbst, Hallo Schmerz, und machte mich auf um weiter zu gehen.

Ich war deprimiert und mein Leben schien völlig aus dem Gleichgewicht geraten zu sein.

„Wie heißt du?“ Sie wollte nicht locker lassen.

„Robert,“ antwortete ich. „Ich bin Robert Peterson.“

„Ich heiße Anni…Ich bin sechs.“

„Hi, Anni.“

Sie kicherte. „Du bist lustig,“ sagte sie.

Trotz meiner miesen Laune, lachte ich auch und ging weiter. Ihr heiteres Lachen folgte mir.

„Kommen sie wieder Herr P.,“ rief sie. „Wir werden einen anderen glücklichen Tag haben.“

Die Tage und Wochen, die folgten gehörten anderen: Dem Sportverein, Meetings in der Arbeit und meiner kranken Mutter. Die Sonne schien als ich gerade Geschirr spülte. Ich brauche einen Wasserläufer, sagte ich zu mir, und griff nach meinem Mantel.

Die Brise war kalt, aber ich ging den Strand entlang und versuchte den Frieden zu erlangen, den ich brauchte.

„Hallo Herr P.,“ sagte sie. „Willst du spielen?“

„Was hattest du denn im Sinn?“ fragte ich mit einem Anflug von Genervtheit.

„Ich weiß nicht, schlag du was vor.“

„Wie wäre es mit Wahrheit oder Pflicht?“ fragte ich sarkastisch.

„Okay, dann los.“

Ich sah sie an und bemerkte eine gewisse Unschuld in ihrem Gesicht. „Wo wohnst du? fragte ich sie.

„Da drüben.“ Sie deutete auf eine Reihe von Sommerhäusern.

Komisch, dachte ich, im Winter. „Wo gehst du zur Schule?“

„Ich gehe nicht zur Schule. Mama sagt, dass wir im Urlaub sind.“

Sie sagte ein paar Kinderreime auf als wir den Strand entlang liefen, aber im Kopf war ich mit anderen Dingen beschäftigt. Als ich nach Hause ging, sagte Anni, dass es ein schöner Tag war. Ich fühlte mich überraschend besser, lächelte und stimmte ihr zu.

Drei Wochen später eilte ich in einem Anflug von Panik zum Strand. Ich war überhaupt nicht in der Stimmung Anni auch nur zu begrüßen.

„Du wenn du nichts dagegen hast,“ sagte ich ärgerlich als Anni zu mir aufholen versuchte,“Ich würde heute lieber allein sein.“

Sie schien ungewöhnlich blass und außer Atem. „Warum?“ fragte sie.

Ich drehte mich zu ihr und schrie: „Weil meine Mutter gestorben ist!“ und dachte, Oh mein Gott, warum sage ich das zu einem kleinen Kind?

„Oh,“ sagte sie leise,“dann ist das ein schlechter Tag.“

„Ja,“ sagte ich „und gestern und vorgestern und — ach, geh weg!“

„Hat es weh getan?“ fragte sie.

„Tat was weh?“ Ich war sauer auf sie und ich war sauer mit mir.

„Als sie starb?“

„Natürlich tat es weh!“ warf ich ihr entgegen, Unverständnis stieg in mir hoch. Ich ging davon.

Einen Monat oder so danach, als ich das nächste mal zum Strand ging, war sie nicht da. Ich fühlte mich schuldig, beschämt und gestand mir ein, dass ich sie vermisste. Ich ging nach meinem Spaziergang zu dem Sommerhaus und klopfte an die Tür. Eine bildhübsche Frau mit honigblondem Haar öffnete die Tür.

„Hallo,“ sagte ich,“Mein Name ist Robert Peterson. Ich habe ihr kleines Mädchen heute am Strand vermisst und mich gefragt wo sie denn ist.

„Oh ja, Herr Peterson, bitte kommen sie herein. Anni hat so viel von ihnen erzählt. Ich fürchte ich ließ zu, dass sie sie störte. Wenn sie sehr genervt hat, dann bitte ich sie um Entschuldigung.“

„Gar nicht – sie ist ein wunderbares Kind.“ sagte ich und bemerkte plötzlich was ich gerade gesagt hatte.

„Anni ist letze Woche gestorben, Herr Peterson. Sie hatte Leukämie. Vielleicht hat sie ihnen das nicht erzählt.“

Es fühlte sich an wie ein Schlag ins Gesicht, ich griff nach einem Stuhl. Mir blieb die Luft weg.

„Sie liebte diesen Strand so sehr, also konnte wir es nicht ablehnen, als sie darum bat. Es ging ihr so viel besser hier und sie hatte so viele, wie sie sagte, glückliche Tage. Aber die letzten paar Wochen, wurde sie zunehmend schwächer…“ ihre Stimme zitterte, „Sie hat etwas für sie da gelassen…wenn ich es doch nur finden könnte. Können sie einen Moment warten, während ich nachsehe?“

Ich nickte dümmlich, mein Kopf suchte nach etwas, dass ich dieser reizenden, jungen Frau sagen könnte. Sie reichte mir einen Umschlag mit einem verschmierten „HERR P“ in kindlicher Schrift. Darin befand sich gemalt mit hellen Wachsmalkreiden – ein gelber Strand, blaues Meer und ein brauner Vogel. Darunter war sorgfältig geschrieben: EIN WASSERLÄUFER DER DIR FREUDE BRINGT.

Tränen stiegen mir in die Augen und ein Herz, das vergessen hatte zu lieben, öffnete sich weit.

Ich nahm Annis Mutter in die Arme. „Es tut mir leid, es tut mir leid, es tut mir leid, ich bin so traurig,“murmelte ich immer und immer wieder und wir weinten zusammen.

Das kostbare kleine Bild hängt nun eingerahmt in meinem Arbeitszimmer. Sechs Worte für jedes Jahr ihres Lebens – die zu mir voller Harmonie, Mut und Liebe sprechen. Ein Geschenk von einem Kind mit meerblauen Augen – dass mir Freude geschenkt hat.

 

Im Original von Mary Sherman Hilbert.

Deine Freunde müssen das sehen!
FacebookGoogle+PinterestEmail

Wir schreiben Beiträge wie diesen jeden Tag auf Facebook!